Systemische Behandlungsansätze in der Psychotherapie

Woraus bestehen systemische Behandlungsansätze in der Psychotherapie?

 

Systemische Therapie ist in der Regel zunächst auf das soziale System "Familie" bezogen und stellt somit eine Erweiterung des individuellen Krankheitsmodells dar. Die Familie ist in der Hierarchie zwischen Individuum und Gesellschaft angeordnet.

Oft wird nur die Interaktion zwischen dem Individuum und der Familie gesehen. Es sollte jedoch immer auch der Einfluss der Gesellschaft, der Umwelt und die Autonomie des Individuums gesehen werden. Wichtig dabei ist, dass nicht nur das Individuum als krank betrachtet wird, sondern die gesamte Familie.

Der identifizierte Patient ist dasjenige Mitglied der Familie mit den auffälligsten Symptomen. Oft ist es aber auch so, dass die Symptome von Familienmitglied zu Familienmitglied wechseln.

 

Vielfalt der systemischen Therapie

 

Einen Paradigmenwechsel stellt die systemische Behandlung nicht dar, da sie lediglich bereits bestehende Sichtweisen stärker in den Vordergrund rückt; siehe auch:

  • Reich: Konflikte und Verspannungen
  • Berne: Spielanalyse und Skriptanalyse
  • Freud: Eltern-Kind-Beziehung
  • Adler: Familienkonstellation und Einbeziehung der Familie in die Erziehungsberatung, die Neo-Freudianer: Betonung soziokultureller Faktoren und der Mutter-Kind-Beziehung
  • Franke: Erwartungsangst und paradoxe Intention
  • Moreno: Familie in Szene setzen und umgestalten
  • Sullivan: Schizophrenie von Kindern durch bestimmtes Verhalten der Eltern
  • Rogers u. Perls: Wachstum, Ganzheit, Spontaneität

Insgesamt sind viele Ansätze mit nicht klar umrissenen Richtlinien entstanden. Allen Ansätzen gemeinsam ist eine besondere Aufmerksamkeit für soziale Prozesse im Umfeld des Patienten. Die folgenden genannten Prinzipien gelten allgemein für systemische, eher kommunikationstheoretische Therapien:

 

Kommunikationstheoretische Prinzipien der systemischen Therapie

 

  • Eine Einzeltherapie im strengeren Sinne gibt es nicht, sondern damit ist hier nur das Therapeut-Klient-Setting gemeint.
  • Kommunikation ist alles Verhalten in zwischenmenschlichen Situationen, inklusive der paralinguistischen Aspekte, wie Mimik, Gestik, Körperhaltung.
  • Metakommunikation bedeutet eine Kommunikation über eine Kommunikation, wie z.B. die Frage: "Warum fragst du das?"

Watzlawick u.a. haben fünf Grundeigenschaften der menschlichen Kommunikation aufgestellt, auf die im folgenden kurz eingegangen werden soll:

  • Man kann nicht  kommunizieren, da alles Verhalten Kommunikation bedeutet.
  • Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt. Der Beziehungsaspekt ist dabei die Metakommunikation. Ein Inhalt einer Mitteilung ist demzufolge nie eindeutig.
  • Die Beziehung ist durch Interpunktionsläufe seitens der Partner bedingt. Zu jeder Situation gibt es eine vorhergehende und eine nachfolgende. Hier werden entweder kausale Interpretationen oder sich selbst erfüllende Prophezeiungen möglich.
  • Es muss unterschieden werden zwischen digitalen und analogen Modalitäten.
  • Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär. Das hängt davon ab, ob die Beziehung gleich oder ungleich ist.

 

Systemische Therapie als Erweiterung der Einzeltherapie

 

Die systemische Paartherapie stellt eine Erweiterung der systemischen Einzeltherapie dar. Ihr Ziel ist es, die Aufhebung der Verschanzung hinter extremen Positionen zu sehen. Die Therapie soll ermöglichen, durch folgende drei Punkte wieder zu einem Gleichgewicht zu finden.

  • Selbsterkenntnis und Entdecken bzw. Integrieren der komplementären eigenen Persönlichkeitsanteile.
  • Verständnis und Akzeptanz des Partners.
  • Erkenntnis der Paardynamik und Gemeinsamkeit des Grundthemas, welches gemeinsam angegangen werden kann.

Die Methoden variieren in Abhängigkeit von vier von der systemischen Paartherapie postulierten Kollisionstypen. Widerstand, Übertragung und Gegenübertragung, Kommunikationsübungen, Partnerschaftstraining, Übungsprogramme nach Masters u. Johnson, Familientherapie oder individuelleres Vorgehen sind die Methoden, die sich in Abhängigkeit von den narzisstischen, oralen, anal-sadistischen und phallisch-ödipalen Kollisionstypen unterscheiden, d.h. dieser Ansatz ist stark von der Denkweise der Psychoanalyse bestimmt.

Die Familientherapie ist ein wichtiger Anwendungsbereich der systemischen Therapie.

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Publikationen

Stefan Marmann

Diplom-Psychologe
Psychologischer Psychotherapeut
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